Tutorials | 16. November 2006
Digitale Crossentwicklung
In den 80er Jahren, als man von so etwas wie Photoshop noch nicht einmal zu träumen wagte, musste man noch „analoge“ Tricks anwenden, um Bilder künstlerisch zu manipulieren. Mit einer leeren Kugelschreibermine während der Entwicklung auf Polaroids „malen“ gehörte beispielsweise dazu, kreative Dunkelkammerarbeit natürlich – oder eben auch Crossentwicklung. Dazu wurde dem Labor einfach nur mitgeteilt, dass der abgegebene Diafilm wie ein Farbnegativfilm entwickelt werden sollte. Das Ergebnis waren knallige, in den Grüngelb-Bereich verschobene Farben, grobes Korn, ausgewaschene Lichter und harte Kontraste. Diese Technik war zeitweilig so beliebt, dass man sich beim Durchblättern diverser Lifestylemagazine kaum retten konnte vor „gecrossten“ Fotos.
In diesem Tutorial zeige ich Ihnen, wie Sie eine Crossentwicklung mit Photoshop simulieren können.
Das Filmkorn
Digital aufgenommenen Bildern fehlt das charakteristische Filmkorn, deshalb fügen wir das als erstes hinzu. Erstellen Sie eine neue Ebene (Ebene > Neu > Ebene…) mit folgenden Einstellungen:

Fügen Sie dieser Ebene Störungen hinzu (Filter > Störungsfilter > Störungen hinzufügen…):

Anschließend wenden Sie den Gaußschen Weichzeichner mit einem Radius von 0,5 Pixeln an, um das Korn ein wenig realistischer zu machen:

Experimentieren Sie ein wenig mit der Deckkraft der Filmkorn-Ebene. Bei Bildern fürs Web reichen meistens 5%, sollen die Fotos gedruckt werden, erhöhen Sie sie auf 10-20%.
Die Farbverschiebung
Als nächstes wird die Farbverschiebung mittels der Gradationskurven simuliert. Erstellen Sie dazu eine neue Gradationskurven-Einstellungsebene (Ebene > Neue Einstellungsebene > Gradationskurven…) und verändern Sie die Kurven in den vier Kanälen wie folgt:

(Tipp: Wenn das Raster in Ihrem Gradationskurven-Dialog nicht so fein ist wie in den Screenshots, klicken Sie mal mit gedrückter Alt-Taste hinein)
Der Farbstich
Jetzt fehlt nur noch der Grün/Gelb-Stich – dazu erstellen Sie eine neue Füllebene (Ebene > Neue Füllebene > Volltonfarbe…) mit der Volltonfarbe #ebee0d. Die Füllmethode dieser Ebene stellen Sie in der Ebenenpalette auf Farbe, die Deckkraft auf 10%.

Das Ergebnis
Et voilà – eine perfekte digitale Crossentwicklung:

Mit dem Mauszeiger ins Bild gehen, um das unbearbeitete Originalfoto zu zeigen, anklicken, um das bearbeitete Foto zu vergrößern.
Meine Photoshop-Aktion „Crossentwicklung“, mit der die obigen Schritte automatisiert ablaufen, können Sie hier herunterladen: Crossentwicklung.atn
Happy Photoshopping!
Kommentare
Klasse Sache! Vielen Dank für die Aktion und die ausführliche Beschreibung! :)
Die Simulationen früherer analoger Bildbearbeitungstechniken mittels PS sind immer wieder faszinierend!
Roman Röhrig 17. November 2006, 09:05 #
Ich kann mich den anderen beiden nur anschließen,
vielen dank für die tolle beschreibung (+ seite)
erstmal schließe ich mich den vorangegangenen Kommentaren an.
Vielen Dank für die Mühe!! Und fürs Teilhaben lassen an Deinem Können :-)
Eine Frage hätte ich, wo muss ich die .atn Datei denn hinpacken?
Orlanda 17. November 2006, 15:32 #
Genial, ich habe mich schon lange gefragt, wie man diesen Effekt erreichen kann :) Danke, danke, danke!
@ Orlanda: Im Prinzip ist es völlig egal, wo die .atn-Datei liegt, denn in Photoshop muss man sie ohnehin von Hand laden. Hier ein Link, wo das an Hand von Screenshots etwas näher erklärt wird.
Michael Preidel 21. November 2006, 15:18 #
Nicht nur eine tolle Photoshop-Aktion, auch eine super Erklärung zur Entstehung und Geschichte.
Ich war so frei, in meinem Blog hierauf zu verweisen!
Danke und Gruß, Besim
Klasse gemacht, die Ergebnisse wissen zu gefallen. Danke! Funktioniert anscheinend am besten bei Fotos, die minimal unterbelichtet sind oder wo zumindest nur kleine Details den Belichtungsraum voll ausschöpfen. Liegt wahrscheinlich an der Tonwertveränderung die nen Kontrastanstieg mit sich bringt.
Chris 7. August 2007, 15:53 #
Danke für die ausführliche Anleitung!
Eines ist mir noch aufgefallen: Bei Motiven mit gleichmässigen Flächen kommt es zu störenden dunklen/Hellen Übergangsbereichen.
Ich habe mal versucht die RGB-Kanal Kurve (Ebene Farbverschiebung) wieder zurückzusetzen und eine neue Gradiationskurve mit den Werten im RGB Kanal hinzuzufügen, Mischmodus Luminanz, welches etwas Besserung bringt.
Mich würde einmal interessieren, ob sich die Gradiationskurve durch eine Kanalmixer oder Farbeinstellungebene ersetzen lässt und ich damit zu gleichen Ergebnissen komme?
Hast Du dies schonmal versucht?
Viele Grüße
Bodo
Jaja, wie Roman eiter oben schon anmerkt: die alten Techniken geben immer wieder super Anregungen für PhotoShop. Die Tipps hier sind wirklich schön aufgemacht. Könnten mehr sein, denn es macht Spaß hier.
Hallo,
absolut genial!!!!, dass Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen – stöber mal weiter hier herum, bekomme echt Spass mal wieder ausgiebig mit Photoshop zu experimentieren ;D.
Super…ich finde diese Cross Entwicklungssache bei manchen Motiven wirklich zauberhaft. DANKE für die Anleitung. Sehr klar, hilfreich und auch für absolute Beginner verständlich!
Maggs 5. Mai 2012, 11:54 #
Da ich früher gerne analoge Crossentwicklung gemacht habe bin ich hocherfreut dies jetzt auch vereinfacht und gut in Photoshop nachmachen zu können.
Vielen Dank für die tolle Erklärung und für das Bereitstellen der Aktion.
ArsMoriendi 15. Juni 2012, 10:58 #
Ich kann mich nur anschließen!
Ganz lieben Dank für die simple Erklärung und Anleitung.
Ich habe schon länger versucht etwas zur Crossbearbeitung
zu finden und bin gerade überaus happy.
Ich wünsche dir und dem Rest noch eine angenehme Woche
Lieben Gruß Cindy
Cindy 2. April 2013, 14:15 #
» Lab-Modus-Tutorial (Neuer)
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Artikel und Kommentare
Cindy: Ich kann mich nur anschließen!...
ArsMoriendi: Da ich früher gerne analoge...
Maggs: Super…ich finde diese Cross Entwicklungssache...
Paul: danke, macht echt spaß damit...
Lol: Das ist sehr wohl eine...
Wie fotografiert man einen Blitz?:
Stefan: besser noch ihr holt euch...
Brina: ups… ^^ bin wohl 3...
Brina: ich komm mit iso 100...
Haven: Dank teilen diese schöne Seite.
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alex: ja, wirklich gut
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